Autor: Martha Eisschiel

  • Sommer 2022 – Rückblick

    Sommer 2022 – Rückblick

    Gärten und Landschaftspärke in Deutschland

    Die Deutschland-Tour war dicht bepackt. Ein wenig zu dicht. Nichts desto trotz, ich sah wunderbare Orte, tolle Architektur, viel Historisches und atemberaubende Landschaftschaften.

    Der Besuch in Hombroich hat sich ergeben. Meine Freunde in Bonn schlugen diesen Ausflug vor — eine gute Idee, fand ich. Der Landschaftspark mit diversen einfachen Gebäuden, in denen Kunst beherbergt ist, verführt zum querfeldein stapfen, oder auf kleinen Pfaden an einem kleinen Fluss entlang und durch kleine Wäldchen an sommerlichen Feldern vorbei zu spazieren. Wir essen draussen ein kleines Sandwich unter Bäumen. Danach gehts über die Strasse auf das Areal der früheren Raketenstation, wo auch das von Tadao Ando gebaute Kunstmuseum steht. Die ganze Anlage bezaubert, weil sie einen ganz besonderen Reiz ausstrahlt.

    Der Landschaftspark Nord bei Duisburg dagegen, steht schon lange auf der Besuchwunschliste ‚Gärten und Landschaftparks‘. Die ausrangierten, rostigen Industrieanlagen der Hütte, überall mit Pflanzen bewachsen, teils in Gartenräume umgestaltet, beeindrucken mich. Ohne rigorose Eingriffe in die ausrangierten Anlagen wurde eine wunderbare Verbindung und neues Verständnis von Industrie, Landschaft und Natur erschaffen.

    Spiekeroog, zur ostfriesischen Inselkette gehörend, versprüht seinen etwas spröden, windigen Sommer-Charme. Der grössere Teil der Insel steht unter Naturschutz. Ooohhh, der Strand ist ein Traum, breit und einladend für lange, lange Spaziergänge. Ich stemme mich gegen den Wind und in den Dünen bestaune ich die Flora zu. Nicht zu überstrapaziert von UrlauberInnen und eine bisweilen etwas distanzierte Gastfreundschaft der InsulanerInnen entspricht mir sehr.

    Jever, eine Stadt in Niedersachsen, ist mein nächstes Ziel. Das Bier mit dem gleichen Namen wird hier gebraut. Ein kleiner Kanal durchzieht die Innenstadt. Dort steht auch ein Schloss, erbaut im 14. Jahrhundert. Der Park drum herum, der nach englischem Vorbild im 19. Jahrhundert angelegt wurde, gefällt nicht nur mir. Entengruppen und mindestens vier Pfauenpaare wandern auf den Wegen umher und verfolgen fressgierig ‚Tütenträgerinnen‘, die Futter im Schlossmuseum gekauft haben. Der Park, gut besucht aber nicht überlaufen, hat einen bemerkenswert alten Baumbestand. Modern gestaltete Blumenbeete passen bestens ins Gesamtbild des Parkes.

    Zum Schluss — Kassel. Ein Besuch der Documenta 15. Diesmal ganz im Zeichen Kollektiver (künstlerischer) Arbeit. Ich fühle mich mehrheitlich angesprochen und angeregt von den Arbeiten. Vieles deckt sich mit meinen ganz persönlichen Erfahrungen. Wir, die BesucherInnen, sind mal nicht nur Zuschauerinnen, die durch Säle an Kunstwerken vorbei gehen, staunen, lesen, bewerten. Wir werden eingeladen, geradezu animiert mitzumachen, mitzugestalten und den Begriff «miteinander» zu überdenken.

  • Frauen und ihre Gärten (Teil 3)

    Frauen und ihre Gärten (Teil 3)

    Wilder Rosengarten

    Monäs Garten liegt hinter einem Reiheneckhaus in einem Winterthurer Quartier. Alle drei Hausmauern werden von Büschen und Stauden eingerahmt. 

    Monä liebt Pflanzen und gärtnert leidenschaftlich seit sie als junge Frau aufs Land in ein Bauernhaus zog. Sie hat sich damals für den Gemüseanbau vieles selber beigebracht, von erfahrenen Nachbarinnen gelernt und sich aus dem auch heute noch aktuellen Standardwerk ‚Der Bio-Garten’ von Marie-Louise Kreuter, das benötigte Wissen geholt. 

    Auch im eher kleinen, städtischen Blumengarten bestimmt Nachhaltigkeit als wichtiges Thema, die Art wie Monä gärtnert. Sie sagt, sie habe Tendenz zum Überschwang mit den Pflanzen im Garten. Ein Gleichgewicht zwischen natürlich und gepflegt sei ihr Ideal. Vieles wachsen lassen und sich dadurch Über-raschungen aussetzen. Das wiederum ergibt die willkommene Wildheit.

    Von der Quartierstrasse durch ein kleines hölzernes Gartentor tritt man unter den Rosenbogen, umrankt von einer «New Dawn»-Kletterrose, in den Garten. Mitten auf dem Rasen steht ein Kirschbaum. Links davon verläuft ein circa 1.5m breites Mixed Boarder-Beet gewellt direkt zur Terrasse des Hauses. Dieses Stauden-Beet ist in verschiedenen Farbtönen gehalten. Dazwischen immer wieder Rosenbüsche, wilde, edle, duftende und multiflorale.

    Am rechten Rand führt ein ebenfalls geschwungener Kiesweg Richtung Haus, vorbei an einem sonnigen Sitzplatz, den Monä mit Familie und Freunden an warmen Sommerabenden zum Essen nutzt. Die von Monä selbst kreierten und hergestellten Tonfiguren, an diversen Orten im Garten platziert, unterteilen den Garten in kleine Bereiche. Rechts des Gartens zieht sich ein schmales, leicht abfallendes  Blumenbeet der Länge nach bis zum anderen Ende des Grundstücks. Darin wachsen Blütenstauden und wie könnte es anders sein, einige Rosensträucher.
    In der Rasenmitte, nahe der Terrasse und auf der Längsachse des Kirschbaumes, steht ein Quittenbaum. Obst im Garten findet Monä einfach unerlässlich. Die Terrasse mit Sitzplatz vor dem Haus wirkt mediterran. Zahllose Töpfe, bepflanzt mit botanischen Trouvaillen und diversen Küchenkräutern bilden zusammen mit den Dekorativen Fundstücken eine geradezu märchenhafte Atmosphäre.

    «Ohne Garten bin ich nun ein halber Mensch.

    Die absolute Lieblingsrose

    Der betörende Duft von Rosenblüten: Rosen in jeglicher Form und Farbe kann sie nicht widerstehen. Wenn ihr eine gefällt, muss sie sie kaufen. Durch das dichte kombinieren mit Stauden, müssen sie wenig geschnitten werden. Die Lieblingsrose namens ‚Rose de resht’, eine alte Sorte mit intensiv süsslichem Duft, die nur zwei Tage blüht. Früher wurde diese Rose zur Parfumherstellung verwendet. Monä nimmt häufig Blütenblätter der ‚Rose de resht’ um einen Salat zu verfeinern oder eine Pesto herzustellen. Für die Rosen-Pesto braucht es die Rosenblütenblätter, Olivenöl, Salz, Pfeffer und wenige geröstete Pinienkerne.

  • Schottergärten überall

    Schottergärten überall

    Rundgang in Appenzell. Der Schnee verdeckt zwar noch einige Flächen in den Vorgärten des Dorfes. Aber ganz klar ersichtlich, auch hier ist Schotter sehr beliebt. Man fragt sich: Modeerscheinung, Allianz der Kiesgruben, des Steinhandels mit Gartenbau-Betrieben oder einfach eine Abspaltung der Verbindung zur Natur?

    Auch in Zürich gibt es zahllose dieser kleinen «(Vor-)Gärten des Grauens». Der Ausdruck ist eine humorvolle Erfindung von Biologe Ulf Soltau aus Berlin mit Facebook-Seite, auf der eingesandte Fotos von Schotterwüsten aus dem ganzen Land publiziert werden.

    Es heisst, man habe weniger zu tun und die Schotterflächen sähen auch noch schön aus. Beides stimmt nur bedingt. Denn auf dem Schotter, aufgefüllt über einer absolut dichten Kunststoffmembran, können sich trotzdem Wildkräuter versamen und bei Starkregen sind kleinere Überschwemmungen vorprogrammiert, weil das Wasser nicht mehr versickern kann.

    Angesichts der Voraussage von Trockenheit und Hitze im Sommer und der dringend notwendingen Erhaltung einer Biodiversität von Pflanzen und Tieren, auch in Siedlungsgebieten, heisst Schotter = Tod.

    Zum Glück gibt es jede Menge gute Beispiele in Dorf und Stadt von Menschen bzw. Land- und Hausbesitzer:innen, die sich als Teil der Natur begreifen. Es bleibt zu hoffen, dass auch Schottergärtner:innen irgendwann zur Vernunft kommen und doch auch lieber Schmetterlinge und Vögel durch ihren Vorgarten flattern sehen als auf öde Steinflächen zu blicken.

    Ein absolut tolles Beispiel: Beth Chatto Gardens in England, dieser Kiesgarten wurde seit 30 Jahren noch nie gegossen und ist ein Lebensraum für diverse Vögel und Insekten.

  • Männer, die gärtnern und bloggen

    Männer, die gärtnern und bloggen

    Eine willkürliche Kombination, für die ich schon mal vor längerer Zeit recherchiert habe. Siehe unten was herausgekommen ist. Viele Ideen und Sichtweisen rund ums «Urban oder Solo Ackern, darüber schreiben oder crossovern» über den eigenen Flecken Garten.

    Alexander Zinsstag betreibt seinen Blog seit etwa 2009 und hat eine Faszination für Botanik.
    Stefan, gärtnert im Schrebergarten und schreibt seinen Blog schon eine ganze Weile. Mir gefallen die Geschichten rund ums Gärtnern mitten im Schrebergartenwald.
    Holgi, seine Gartensituation hat sich gewandelt. Den Blog hat er beibehalten und füttert ihn mit witzigen Kommentaren und Erkenntnissen.
    the gardenedit.com, ein junger Engländer (John Tebbs) lädt Garten- und Pflanzen-Fotograf:innen ein auf seiner Site zu publizieren. Die Fotos können eingereicht werden und bei Gefallen werden sie veröffentlicht. Zudem stellt er diverse Publikationen vor, die sich im weitesten Sinn mit Gärten beschäftigen. Auf seinem About, habe ich gesehen, dass er gärtnert. Momentan liegt diese Rubrik jedoch brach.
    Claus Dalby, professioneller Gärtner mit Blog. Etwas bieder und voll auf Verkauf ausgerichtet. Trotzdem ist die Seite schön anzuschauen, leider nur auf dänisch.
    Ralf Roesberger bloggt über sämtliche Themen zum Gärtnern, und hat im Grossen und Ganzen die Selbstversorgung im Auge. Was mir an seinem Blog nicht so gefällt, ist die starke Verlinkung mit amazon. Sogar seine konventionellen Saatgutempfehlungen laufen da drüber.
    Die Gartenpiraten Zwar sind nicht explizit nur Männer dabei, aber seit Beginn tauschen viele Männer aus ganz Deutschland ihre Erfahrungen hier aus. Gemacht in  Gemeinschafts- oder Quartiergärten. Also ziemlich urban und trendig.

    Literatur:
    Stefan Leppert: Sein Garten – wenn Männer Gärtner werden, 2012, DVA Verlag
    Jürgen Fliege: Männer wachsen im Garten, 2015, tao.de

  • Engagiert für Pflanzen

    Engagiert für Pflanzen

    Zum Glück gibt es überall Menschen, die der Liebe für Pflanzen einen grossen Teil ihrer Lebenszeit widmen. Sie teilen diese mit uns, wenn wir offen dafür sind.
    Hier ein paar aussergewöhnliche Menschen, bei denen Interesse zur Leidenschaft wurde. Und wie sich schliesslich ihre Experimentierfreude mit Fachwissen in Lust aufs Weitergeben verwandelt hat.

    Patricia Willi gründete eine der ersten Wildstaudengärtnereien in der Schweiz. Sie ist mit ihrem Team weit herum bekannt, pflegt und gestaltet Gärten und setzt sich für Vielfalt ein. Und dies lange bevor Biodiversität in aller Munde war. Den Betrieb hat sie nun an langjährige Mitarbeiter:innen weitergegeben. Der Online Pflanzenshop ist für die Privatkundschaft ab März wieder offen.

    Jürgen Feder bezeichnet sich selber als Extrembotaniker. Seine Passion für Wildpflanzen gibt er in Büchern, Vorträgen und Exkursionen weiter. Seine Begeisterung schwappt auf einen über, wenn man selber unterwegs am Wegesrand Pflanzen entdeckt. Seine Agenda für Exkursionen (in Norddeutschland) ist online.

    Margrit de Colle lebt mitten in und für Blumen. Und das auf wilde, pure und nachhaltige Art. Sie betreibt die erste Bio Schnittblumen Landwirtschaft Österreichs in der Steiermark. Der Name ist Programm. De Colle heisst auf italienisch ‚Vom Hügel’. Online kannst du diverse Workshops buchen.

    Flora Arbuthnott, eine Produktedesignerin in Devon hat ihren ganz persönlichen Weg im grossen Garten der Natur gefunden. Sie experimentiert, um aus Pflanzenteilen natürliche Farbstoffe herzustellen. Ihre fundierten Erfahrungen gibt sie gerne weiter. Auf ihrer Website kannst du Kurse in diversen Techniken, die sie entwickelt hat, buchen.

  • Winter-Bouquet

    Winter-Bouquet

    Der kürzeste Tag ist schon Geschichte. Eisig kalt wird’s vielleicht noch, hier im Unterland. Kurz: Richtige Winterstimmung herrscht gerade nicht. Dazu passen folgende Links auf Websites mit pflanzlichen Produkten gemacht aus Rinde, Wurzeln und Früchten.

    Mit einer traditionellen Bindetechnik aus der Gegend fertigen Frauen diese kleinen Allzweck-Bürsten. Wie sie selber sagen eine robuste Topf- & Gemüsebürste neu interpretiert. Ybriger

    Ein Gruppe junger Leute erfindet diese alte Tradition der Konservierung neu. Das Start-up vertreibt getrocknete Früchte auch im Abo.

    Moya will Birkenrinde Produkte als nachhaltigen Rohstoff in unsere Haushalte bringen. Zum Beispiel in Form von handgefertigten Vorratsdosen und Brotkästen.

    Aus Deutschland kommen die Bio-Putzmittel aus Randensaft. Erfunden wegen einer Allergie auf herkömmliche Reiniger.

    Die Bee Family hat eine Vision und vertreibt nicht nur Honig sondern bemüht sich drum, ihren Bienenvölkern Schutz und Nahrung zu gewährleisten.

  • Der Herbst kommt

    Der Herbst kommt

    Seit ein paar Wochen verändert sich das Licht, die Farben draussen werden intensiver, stärker. Oft kann ich mich nicht daran sattsehen. Und natürlich denke ich schon ab und zu an die nächste Gartensaison. Wo hole ich mir Inspiration, welche Garten-Themen beschäftigen mich im Speziellen und wie kann ich die Bepflanzung an einigen Stellen im Garten harmonischer gestalten.

    Folgend ein Link-Bouquet zu Gärten und zum Gärtnern. Viel Vergnügen beim Durchlesen.

    offenergarten.ch, Verzeichnis von (Privat-)Gärten in der Schweiz, die du besuchen kannst
    staudenfreunde.ch, die Gesellschaft publiziert eine Monatszeitschrift
    permakultur.ch, Informationen rund um das Thema
    urbanroots.ch, Urban Gardening für Beginners
    pflanzenfreund.ch, Gartenmagazin «mit Ecken und Kanten»
    Interkulturelle Gärten, ein Verzeichnis solcher Gartenprojekte
    kistengruen.de, Gartenblog über einen sechs Quadratmeter Balkongarten
    ronfinley.com, Rebell mit grünem Daumen
    gruenesblut.net, Interviews mit Gartenprofis, -bloggerinnen, Wissenschaftlerinnen etc.

  • Wertvollstes Saatgut

    Wertvollstes Saatgut

    Besonders heute, in Zeiten mit vielfältigen Einschränkungen, erhalten existenzielle Dinge wie Kochen, Essen, Gemüseanbau und Gartenarbeit eine völlig neue Bedeutung.
    Viele möchten im eigenen Garten oder auf dem Balkon richtige Erde beackern, zusehen wie selbst ausgesäte und gezogene Pflanzen wachsen und natürlich irgendwann ernten. Wir beobachten plötzlich Insekten, Vögel und andere Tiere um uns herum bewusster. Wir nehmen auf Spaziergängen Pflanzen wahr, die wir vorher nicht beachtet haben.
    Ein guter Zeitpunkt, sich ein paar Gedanken über den Anfang unserer pflanzlichen Nahrung zu machen. Und wie es um das Saatgut generell hier und anderswo bestellt ist.



    Der Same — winziges Wunder



    Alle Anlagen sind auf kleinstem Raum im Samen enthalten. Zum Gedeihen braucht er nichts weiter als Licht (das heisst Wärme), Wasser und Erde (das heisst Nahrung und Halt). Sein Aussen perfekt ausgerüstet für seinen einzigen Zweck, den besten Ort zum Keimen zu finden. Federleicht, damit er vom Wind an seinen neuen Standort getragen wird. Oder mit unglaublich dicker Schale, um Feuersbrünste zu überstehen. Oder er keimt erst, wenn er Eiseskälte durchgestanden hat oder im flachen Wasser mit sumpfigem Untergrund zu liegen kommt.


    Fakten zur weltweiten Situation von Saatgut


    Seit Jahrtausenden gehört Saatgut der wichtigsten Kulturpflanzen zur Existenz und Entwicklung des Menschen. Bereits über 80% der Sorten, die wir einmal genutzt haben, sind verschwunden. Eine ungeheure Zahl, die diesen immensen Verlust beschreibt.
    Angesichts dieser kritischen Situation wird klar, wie wichtig frei zugängliches Saatgut für uns ist. Die eigentlichen Sammlungen von Saatgut alter Kulturpflanzen, die bisher öffentlich zugänglich waren, befinden sich in staatlichen Genbanken.
    Diese Sammlungen sind jedoch in Gefahr. Aus verschiedenen Gründen werden sie abgebaut, viele der vorhandenen Kollektionen gehen so verloren. In einigen Ländern investieren Regierungen öffentliche Mittel um ihre Genbanken für die Forschung der Gentechnikindustrie zugänglich zu machen.


    Um das Schlimmste zu verhindern, gibt es zwar den Svalbard Global Seed Vault. Nur reicht das bei weitem nicht aus, das Verschwinden der wichtigsten Kulturpflanzen unserer Ernährungsgrundlagen wie Mais, Reis und Weizen, aufzuhalten.

    Die Sicherungskopie im ewigen Eis

    Der Svalbard Global Seed Vault steht irgendwo auf Spitzbergen an der norwegischen Küste. Seit 2008 liegen dort 1.2 Mio. Samenproben von 249 Ländern in Lagerkammern mit einer Temperatur von -17.9 Grad Celsius. Diese Sicherungskopien bilden eine Arche, auch genannt «Speicher des jüngsten Tages». Das sollte uns jedoch nicht verleiten, beruhigt die Hände in den Schoss zu legen und nichts mehr für die Samenvielfalt zu tun. Denn Vielfalt lebt nur in kleineren Samenbanken weiter. Diese Sammlungen an Saatgut müssen ständig auf deren Keimfähigkeit überprüft und immer wieder ausgesät werden, um eine Art zu erhalten.


    Was andere sagen, denen Artenvielfalt am Herzen liegt


    Für die Erhaltung alter Weizensorten engagiert sich in Europa zum Beispiel Longo Maï.
    «….Wenige Weizensorten sogenannte Hochleistungssorten beherrschen den Markt. Diese sind mitunter gentechnisch verändert und weder an klimatische Verhältnisse noch an regionale Bedingungen anpassungsfähig. Deshalb müssen sie mit Pestiziden und Düngemitteln unterstützt werden. Wer also keinen Zugang zu Saatgut von Kulturpflanzen hat, ist vollständig von wenigen, weltweit agierenden Konzernen abhängig….»

    Der Doku-Film ‚Seed – unser Saatgut, wir ernten, was wir säen’ von Taggert Siegel & Jon Betz zeigt uns die Situation in den USA. Die Autoren porträtieren Einzelpersonen und Communities in den USA, die sich mit Saatgut auseinandersetzen und wertvolle Sammlungen angelegt haben. Der Kampf um die Saatenvielfalt scheint manchmal schon verloren, macht aber auch eindrücklich klar was Saatgut ist «….eine Verbindung mit Generationen der Vergangenheit bis in die Zukunft hinein….»



    Was kann ich tun zur Erhaltung der Vielfalt von Saatgut


    Biodiversität lässt sich im Kleinen durchaus fördern, z. B. mit Saatgut bedrohter Sorten, indem wir als Privat-GärtnerInnen und BäuerInnen diese Pflanzen auf 1–2m² ansäen und dieses Saatgut wieder verwenden, mit NachbarInnen und FreundInnen austauschen. Saatgut von Betrieben kaufen, die biologisch produzieren und neben neueren Züchtungen auch alte, fast vergessene Sorten wieder in ihr Sortiment aufnehmen. In der Schweiz kümmern sich Zollingers drum (alter Beitrag zum Tag der offenen Tür), die Sativa in Rheinau und Biosem in der Westschweiz. Ein neuerer Betrieb ist arthasamen.ch in Münsingen Bern.

    Ausserdem müssen wir uns weiterhin politisch für ein Verbot von ‚Patenten auf Saatgut’ einsetzen und den Kampf von Organisationen und Stiftungen wie ProSpecieRara unterstützen.

    Wir können nicht untätig zusehen, wie so viele Pflanzen durch verlorenes Saatgut für immer verschwinden. Also – legen wir los und pflanzen wir an.

    Im Beitrag ist selbstverständlich nur eine kleine Auswahl der sich für Saatenvielfalt einsetzenden Menschen erwähnt. Gut, arbeiten viele weitere in allen Erdteilen daran ihre regionalen Pflanzen zu erhalten, um sie kommenden Generationen weiter geben zu können.


    Themenlinks

    www.saemereien.ch   Online Shop mit diversen Lieferanten – einige davon produzieren und verkaufen biologisches Saatgut.

    www.sortengartenpeterochsner.com   Privater Samenpfleger mit speziellem Fundus.

    Bioverita   Saatgut aus biologischer Züchtung für Bäuerinnen

    www.missionb.ch   Informationen über das Projektende hinaus

    floretia.ch   Onlineplattform für Auswahl und Pflege von wertvollen Wildpflanzen

    Quellenangaben: Longo Maï, Texte zum Thema aus Faltblatt, 2007
    Public Eye (vormals Erklärung von Bern), ProSpecieRara, Texte aus ‚Saatgut bedrohte Vielfalt im Spannungsfeld der Interessen, 2014

  • Die Sterndolde – Astrantia major

    Die Sterndolde – Astrantia major

    Meine erste Begegnung mit dieser wunderschönen Pflanze, hatte ich auf einer Kräuterwanderung im Berner Oberland. Der Leiter machte uns auf einer Bergwiese nahe eines Wäldchens auf eine Sterndolde aufmerksam. Die fragilen Blüten der Staude in Sternenform bezauberten mich sofort. Bei der Namenssuche meines Garten-Blogs kam deshalb nur dieser eine Pflanzenname in Frage, ein Sinnbild an Zartheit und Zähigkeit.

    • Blüht bis zu sechs Monate, von August bis Oktober
    • Mehrjährige Staude; versamt sich selbst, kann so viele Jahre durch den Garten wandern
    • Delikate Blüten
    • Robuste, winterharte Staude
    • Liebt sonnige bis halbschattig Standorte
    • Braucht humusreichen, durchlässigen, feuchten Boden. Gedeiht auch auf alpinen Wiesen
    • Fühlt sich auch in der Nähe von Gehölzen wohl
    • Vermehrung durch Teilung im Frühling oder durch Aussaat im Spätsommer
    • Sterndolden kreuzen sich gerne
    • Ihr Blätterwerk wird beim Abblühen rostig.

    In seinem Artikel über die Sterndolde gibt Stephan Aeschlimann Yelin, Gärtner und Geschäftsinhaber der gartenwerke.ch, einen Gesamtüberblick zur Sterndolde, deren Gartengeschichte und wie sie die Aufmerksamkeit  verschiedener Züchterinnen in England und Holland erregte. Zudem klärt er über die verschiedenen Neuzüchtungen auf und gibt Anregungen für Kombinationen mit andern Stauden.

     

  • Frauen und ihre Gärten (Teil 2)

    Frauen und ihre Gärten (Teil 2)

    Das versteckte Juwel

    Ein kleines Seitensträsschen im Seefeld führt zu Bettis Garten. Mir fällt zuallererst der alte, sehr gepflegte Brunnen ins Auge. Sie sagt mir, dass sie ihn einmal pro Monat selber reinigt. Überhaupt liebt es Betti zuzupacken. Seit sie vor einigen Jahren wieder ins Haus ihrer Eltern gezogen ist, gärtnert sie mit Leidenschaft. Vieles in Sachen Pflege hat sie sich selber beigebracht oder aus der Erinnerung, wie es ihre Mutter gemacht hat, weiterentwickelt.
    In der Nähe des Brunnens steht ein Findling dicht mit Efeu überwachsen. Bettis Vater hat den Stein hier hin hieven lassen, weil er es leid war, den fast monatlich demolierten Gartenzaun jedesmal reparieren zu lassen. Das enge Einbahnsträsschen zwang die Autofahrerinnen oft, genau vor dem Garten umzudrehen und viele unterschätzten den Einfahrwinkel.

    Das Haus wurde 1850 erbaut und ging Mitte 1960er Jahre in den Besitz von Bettis Vater über. Er nahm innen einige bauliche Veränderungen vor. Aussen jedoch hat es bis heute sein Erscheinungsbild behalten. Auch die Fassadenfarbe ist noch dieselbe.
    Die Gestaltung des Gartens übernahm die Mutter. Sie erneuerte den Bauerngarten im Stile dieser Jahre und pflanzte viele Hochstamm Rosen. Die Kieswege wurden durch Granitplatten ersetzt. Obstspaliere und ein Feigenbaum zieren den Garten heute noch. Die Früchte davon werden jeweils zur Erntezeit zu feinen Konfitüren und Sirups verarbeitet.

    Heute bezieht sich die Gestaltung des Gartens ganz und gar auf Bettis Ideen. Sie sagt, sie strukturiere und setze sogleich um. Betti verändert immer wieder mal den Standort der Töpfe samt Accessoires. Manchmal weicht Altes, um Neuem Platz zu machen.

    «Oft vergesse ich die Zeit, weil ich mit all meinen Sinnen komplett im Garten versinke.»

    Der Garten umrandet den Hausteil auf drei Seiten. Er selber wird von einer Hecke gänzlich eingegrenzt. Vorne auf der Stirnseite verbreitert sich der Garten auf ca. 7 Meter Rasenfläche mit Obstbaum. Links und rechts führt er als drei Meter breiter Streifen den Hauswänden entlang. Dort finden sich kleine Sitzplätze ebenso wie eine schattenspendende Pergola, bewachsen mit einer «Chatzeseicherli»-Weinrebe. Vorne an der Hausmauer, hängen beinah reife Aprikosen. Das Spalier wird, rechts von einer Rose, und links von einer Weichsel begleitet.

    Betti hat die Bepflanzung möglichst einfach gehalten. Auf der rechten halbschattigen Seite wachsen Hortensien, Efeu, Rosen, Kräuter. Vorne in der Sonne Lavendel und diverse Stauden. Eine besonders schöne Echinacea alba dicht zusammen mit einer ‚pinken‘ Tellerhortensie fällt mir ins Auge.

    Ich wende mich dem Hintereingang zu und bin vom alten Gartenzaun begeistert. Wer dort in den Garten eintritt, bemerkt die rote Ecke, ein rotes Tischchen eingerahmt von einer wunderschönen Goldmelisse, mit einer Wuchshöhe, die ich selten gesehen habe. Eine Zucchetti, Johanniskraut und ein «Oktoberli» mit dunkelrotem Blattwerk gesellen sich dort dazu.
    Von hier aus geht der Blick zum rotkarierten Tischtuch dem prominentesten Sitzplatz im ganzen Garten. Unter der Birnbaum lässt es sich wunderbar mit Familie und Freunden sitzen, essen und trinken. Wer sich davon kurz ausruhen will, legt sich in die Hängematte, die am Obstbaum befestigt ist. Die Feuerschale steht auch in der Nähe. Sie dient Betti im Sommer als Grill und  in der Übergangszeit auch mal als abendlicher Wärmespender.

    Als ich Betti und ihren Garten am Abend verlasse, werfe ich nochmals einen Blick zurück auf den Brunnen, das Haus und den winzigen Vorplatz. Hier an dieser Gartenhecke jedenfalls endet die Hektik von Zürich und ich freue mich, dass ich dieses kleine Juwel kennenlernen durfte.

    Mönchspfeffer

    Der Mönchspfeffer:
    Bettis Lieblingspflanze in ihrem Garten. Er riecht gut, wenn man Blätter in der Hand verreibt. Im Topf ist der Strauch jedoch nicht winterhart. Der Mönchspfeffer gehört zur Gattung Vitex. Sein lateinischer Name Vitex agnus-castus bedeutet «Lamm keusch». Er wurde schon früh als Symbol sexueller Enthaltsamkeit von Mönchen benutzt. Im Mittelmeerraum findet man immer noch Weinkörbe aus den zähen Vitexruten.
    Der Strauch blüht von Mitte Sommer bis in den frühen Herbst hinein. Er erreicht eine Höhe von bis zu 4 Metern. Die Blütenstände sind meistens violett oder blau. Aber auch rosa oder weisse Sträucher sind erhältlich.
    Er liebt geschützte, sonnige und feuchte Standorte mit durchlässigen, nährstoffreichen Böden wie zum Beispiel an Flussufern. Sehr beliebt als Bienenweide, kann er als Spätblüher nochmals richtig Farbe in den Garten bringen. Seine Blätter und Triebe verströmen ein pfeffrig-würziges Aroma.
    Die rundliche, schwärzliche Mönchspfeffer-Frucht mit etwa 2-3mm Grösse wird seit der Antike in der Naturheilkunde verwendet.
    Quelle: Wikipedia, mein-schoener-garten.de.