Kategorie: Unterwegs

  • Von Hecken und Gruben

    Von Hecken und Gruben

    Oder wie ich die Schönheit englischer Gärten kennenlernte.


    1997 reiste ich zum ersten Mal auf die britischen Inseln. Von englischer Gartenkultur wusste ich nicht viel. Ich kannte die englische Garten-Sendung der BBC ‚Gardeners World‘. Und die war für mich Kult. Im wöchentlichen Ritual folgte ich den Moderatorinnen durch wundervolle Gärten streifend, die Pflanzenwelt erklärend und Gartenwissen weitergebend — für mich alles ganz neu. Sie zeigten mir welche Pflanzen zu diesem oder jenem Gartenthema passen oder wie Pflanzen miteinander in sogenannten ‚Drifts‘ kombiniert werden können um Emotionen zu erzeugen. Einen Garten in Räume zu unterteilen, mit Pflanzen Stimmungen zu kreieren, zog mich flugs hinein und bereitete mir ungeahnte Freude. Dieses Glück, beim Anblick eines gestalteten Stück Erde, wollte ich auch empfinden.

    Die erste Gartenreise — Grosse Bekannte und eine kleine Trouvaille (1997)

    Gegend: Südwestengland, Wiltshire, Sussex
    Gärten und Parks: Stonehenge, Stourhead, Heale House, Sissinghurst, Great Dixter, Pashley Manor, Stourton House and Gardens

    Mit dem Mietwagen ging‘s im ungewohnten Linksverkehr vom Gatwick-Airport direkt nach Salisbury. Die kleine Stadt in der Grafschaft Wiltshire, empfing uns freundlich. In einem stilvollen, sehr englischen B&B deponierten meine Freundin und ich unsere Koffer. Da waren wir nun — bereit auf Gartentour zu gehen und neue Welten zu entdecken.

    Salisbury, fotografiert von Malcolm Balmer
    Salisbury, fotografiert von Malcolm Balmer

     

     

     

     

     

    Zuallererst führte uns der Weg nach Stonehenge. Die Steinformation der Kelten umkreisen gehört einfach zum Pflichtprogramm. Und dann weiter in den Landschaftspark Stourhead, unter Kennerinnen das Vorbild eines englischen Landschaftsgartens und ebenfalls ‚ein Muss‘. Beim Spaziergang durch den Park und erreicht man einen erhöhten Punkt, den Tempel des Apollon, mit bezaubernder Aussicht auf die umliegende Landschaft. Der See mit seiner leicht gebogenen Brücke bildet den Mittelpunkt  der Gestaltung. Dieser Landschaftspark, erschaffen Mitte des 18. Jahrhunderts, repräsentiert die damals völlig neue Sichtweise auf Mensch und Natur.

    Stourhead, von Malcolm Balmer
    Stourhead im Frühling, fotografiert von Malcolm Balmer

     

     

     

     

     

    Sonnenuhr
    Sonnenuhr in Heale House

    Heale House — Dieser Garten, eine Trouvaille nahe Salisbury liegt am Fluss Avon.  Beeindruckend ist der Tunnel Garten bestehend aus dicht hängenden Apfelspalieren. Eine Terrasse öffnet sich zum Fluss hin. Über eine kleine Nikko-Brücke erreicht man die japanische Szenerie angelegt in einem kleinen Waldstück, ergänzt mit japanischem Wassergarten und kleinem Teehaus.

     

    Sissinghurst
    Staudenbeet an einer Mauer

    Sissinghurst, der unterdessen weltbekannte Garten, angelegt und gestaltet von Vita Sackville-West beeindruckt durch den virtuosen Umgang mit Strukturen, Farben und Formen der Pflanzen. Nach Vitas Tod 1962 übergab ihr Mann die Pflege und Verwaltung des Gartens der National Trust. Seit 1967 pflegt diese Institution mit einem Heer von Gärtnerinnen die verschiedenen Garten- und Farbräume. Vor allem Pflanzenkombinationen in Weiss, Rosa und Blautönen beherrschen die Szenerie.

     

    Great Dixter
    Great Dixter, Topiari in Grasflächen

    Great Dixter war das Erbe und Zuhause von Christoper Lloyd (gest. 2005), dem bekannten Autor herausragender Werke zur Gartenliteratur. Haus und Land sind seit 1910 in Besitz der Familie Lloyd. Ausser ein oder zwei Arkadengängen war damals ums Haus nicht viel vorhanden. Als Christopher Lloyd das Anwesen übernahm, entstand Great Dixter unter seiner Leitung, so wie wir den Garten heute kennen. Seit vielen Jahren sorgt Head Gardener Fergus Garrett für eine aussergewöhnliche Stimmung in den Beeten, immer noch dem ‚Spirit‘ Christopher Lloyds folgend.
    Die Gärten liegen rund ums Tudor-Haus (aus dem 15. Jahrhundert) und bezaubern nahezu alle Besucherinnen. Topiari, Mischungen von mehrjährigen Stauden und Wildpflanzen, wunderbare ‚Drifts‘ und Farbkombinationen Ton in Ton, spezielle Formzusammenstellungen sowie Lloyds Kreationen von Mixed Borders inspirieren. «Die Pflanzen helfen einander», pflegte er zu sagen.
    Als wir einen letzten Rundgang durch die  Gartenräume machen, begegnen wir Mr Lloyd persönlich begleitet von seinen beiden Dackeln. Wir sehen einen gelassenen Gärtner durch seinen wunderbaren Garten schlendern. 

    Pashley Manor Ein grosser mehrfach ausgezeichneter Garten in East Sussex. Bekannt für die Blumenfülle im Frühling, den ‚Bluebell Walk‘ und den gepflanzten 20‘000 Tulpenzwiebeln. Ein alter Eichenbaumbestand, Teiche, Springbrunnen, Staudenbeete, ein Küchengarten und der ‚Rosewalk‘ gehören mit zum Programm bei einem Besuch dieses Gartens. Das Café im Haus mit Tudorfassade gefällt uns ausserordentlich.

    Stourton House Flower Garden Wunderschöner Privatgarten mit schwungvoll geschnittenen Hecken und gemischten Blumenbeeten. Leider mittlerweile geschlossen.

    Die zweite Gartenreise — Strände, Seemänner und ein Vogelreservat (1998)

    Gegend: Norfolk, Suffolk
    Gärten: Naturlandschaften, Strände, ein Vogelreservat, Marsch- und Heideland

    Diesmal sind wir mit Zug und Bus unterwegs. Wir kommen in London City Airport an und nehmen den Zug Richtung Norden ans Meer. Cromer — ein Küstenstädtchen, das seinen viktorianischen Pier erhalten hat. Im Sommer ist der Ort gut mit Feriengästen gefüllt. Das kleine aber feine Seemannsmuseum erinnert an die Hoch-Zeit des Fischfangs und an die weitherum bekannte Besatzung seiner Rettungsboote.
    Nach ein paar Tagen mit ausgedehnten Strandspaziergängen und scheuen Versuchen ins Meer zu steigen, (meine Freundin schafft es, ich hingegen nur bis zu den Kien), geht’s weiter südlich nach Suffolk in ein überaus einladendes BnB. Das ist der Ausgangspunkt für eine Velotour durchs Heideland und einer Wanderung zum Vogelreservat in der Nähe von Dunwich.
    Zurück in London besuchen wir das Museum of Garden History, in South Banks, zu erreichen auch per Bootsfahrt auf der Themse.

    Strand an der Ostküste
    Strand an der Ostküste


    Die dritte Gartenreise — Bezauberndes Cornwall (2001)

    Gegend: Devon, Cornwall
    Gärten: Eden Project, Lost Gardens of Heligan, Lanhydrock House and Garden, Trebah Garden, Trelissick, Glendurgan nahe Falmouth, Antony House and Garden, Trengwainton, Trerice House and Garden

    Das Eden Project — gerade neu eröffnet. Die Grösse der Anlage und die futuristische Form der Gewächshäuser beeindruckt uns sehr. Darin wird Besucherinnen die Flora aller fünf Kontinente der Erde mit Hilfe neuester Technologien näher gebracht.

    National Trust
    Ursprünglich 1895 gegründet um schöne und historisch wertvolle Gebäude und Gärten zu erhalten. In den 1980er Jahren verlegte sich der Verein zunehmend darauf auch Strände und Landschaften zu schützen. National Trust restauriert und pflegt Scheunen, Burgen und Leuchttürme in ganz England. Die Organisation kümmert sich um 1’250 km Küstenstreifen und 247’000 Hektaren Landfläche. Dies ist nur durch Mitgliederbeiträge, Spenden und der grossen Schar an ehrenamtlichen Helferinnen den sogenannten Volunteers, zu bewältigen.

    Lost Gardens of Heligan 1990 wiederentdeckt von Tim Smit and John Willis. Im selben Jahr begannen Aufräumarbeiten eines Teils der Gärten, obwohl nicht klar war, wie das Grundstück verwaltet werden sollte. Ab 1991 fanden Grossaufräumungen statt, an der sich verschiedene Vereine mit freiwilligen Helferinnen beteiligten. 1997 fertig restauriert, wurden die Gärten in neuem Glanz der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies alles mit Spenden, soweit ich weiss.

    Lanhydrock — Ein beeindruckendes Landadel-Haus mit einer wunderbaren Atmosphäre. Die Küche beeindruckt mich besonders. Die Gärten sind unterteilt in einen Waldgarten des 19. Jahrhunderts mit Kamelien, Magnolien und Rhododendren, einem Staudenkreis, der vor allem im Herbst bis in den Winter blüht und ein Geometrischer Garten der in ein Parterre über geht, welches im Frühling und Sommer mit den Blumenrabatten die Besucherinnen erfreut.

    Trebah Garden — Dieser Waldgarten gelegen in der Bucht des Helford Rivers, gegründet Mitte des 19. Jahrhunderts von Charles Fox, Gärtner und Pflanzenjäger, beheimatet Pflanzen aus Tibet, China, Neuseeland und Amerika. Eine Entdeckung exotischer Flora in einer ebenso spektakulären Landschaft.

    Trelissick, ein Landschaftspark mit Rhododendren soll besonders im Frühling ein Farbenrausch sondergleichen sein. Auf der Rasenfläche in der Mitte steht eine chinesische Zeder. Spezieller Baumbestand.

    Trelissick
    Trelissick, Sicht auf die Bucht vom Park aus, fotografiert von Malcolm Balmer

    Glendurgan — am Hang gelegener Garten im subtropisches Mikroklima mit raren und exotischen Sträuchern und Bäumen. Magnolien, Farne, Palmen, Kamelien, Azaleen sind kombiniert mit Wildpflanzen. Ein weiteres Highlight — das Heckenlabyrinth aus Lorbeerbüschen.

    Antony House and Garden, das prächtige Haus interessiert uns und wir machen eine Führung.
    Ein umauerter Barockgarten schliesst an das Haus an. Im Norden fällt der etwa 10 ha grosse Garten leicht zum Fluss ab. Wir sehen Baumgruppen in offenen Rasenflächen. Hier wird auch die National Collection von über 600 Tagliliensorten gepflegt.

    Antony House and Garden
    Die barocke Gartenanlage, fotografiert von Malcolm Balmer

     

     

     

     

     

    Trengwainton House and Garden, Die malerische Lage gewährt von der Terrasse aus einen Blick auf die Mounts Bay und The Lizard. Der Waldgarten entstand im 19. Jahrhundert. Besonders im Frühling versprühen Kamelien, Magnolien und Rhododendren in verschiedenen Farben ihren exotischen Reiz. Im ummauerten Küchengarten, angelegt in den 1920er Jahren, wird heute vorwiegend Gemüse und Obst gezogen.

    Trerice House and Garden, ein sehr schönes Haus aus der elisabethanischen Zeit. Eine kleine, sehr hübsche Gartenanlage mit Blumenbeeten und Apfelarkaden umgibt das Haus.

    Ein Aha

    Ein Ha-ha oder Aha grenzt das gestaltete Terrain vom Umland ab, hält vor allem Schafe und andere ungebetene Besucher fern. Der Garten wird durch die Grube von der Landschaft getrennt. Trotzdem verschmilzt vom Garten aus die Sicht mit der Weite der Landschaft und kann so als Gestaltungselement wirken, den Garten vergrössern. Die Idee des Ahas stammt vermutlich aus Frankreich und kam Ende des 17. Jahrhunderts nach England.

    Die vierte Gartenreise — Grüne Hügel, Seen und blitzgescheite Hunde (2004)

    Gegend: Cumbria, auch Lake District genannt
    Gärten: Levenshall, Tatton House and Garden, RHS Garten in Wisley, Standen House and Garden

    Gowbarrow Cumbria
    Gowbarrow Cumbria, fotografiert von Malcolm Balmer

    Die Gegend ist wild und sehr hügelig, ab und an geht’s mit dem Auto auf steilen Strassen über kleine Pässe. Unser B&B wird von einer Schafzüchter- und Farmersfamilie betrieben. Der Farmer trainiert Hunde mit denen er die verstreuten Schafherden wieder einfängt aber auch Wettbewerbe im Schafe treiben bestreitet. Wir machen eine Wanderung in die saftigen Hügel hinauf und besuchen das Dorf Beatrix Potters, der Kinderbuchautorin.

    Formschnitt ganzer Hecken wird in England seit dem 17. Jahrhundert intensiv betrieben. Schon die Ägypter schnitten Pflanzen in Form, sowie die Römer ihren Zypressen eine schlankere Gestalt durch das Schneiden gaben. Der heutige Formschnitt (Topiari) begründet eine weitere Technik der Gartengestaltung. Auch hier geht es um Abgrenzung verschiedener Gartenräume oder Ebenen, um Ruhe und Bewegung. Riesige Durchgänge, ganze Pflanzenwände wuchsen so über die Jahre in manchen Gärten und Parks heran. Diverse Pflanzen, nicht nur der Buchsbaum, werden von den Engländern zu allerlei Formen geschnitten. Auch Eiben, Hainbuchen, Stechpalmen, Lorbeer und auch Liguster eignen sich für Topiari.

    Levenshall, Landgut bei Kendal, ein wunderschöner Garten mit Topiari im Grossformat. Viele Eiben in teils bizarre Formen geschnitten (siehe grosses Beitragsbild). Angelegt wurde der Garten bereits Ende des 17. Jahrhunderts.

    Tatton House and Garden, wunderschön gelegenes Herrenhaus mit Gärten in verschiedenen Stilen und angrenzendem grossen Park.

    RHS Garden Wisley Der Schaugarten der Royal Horticultural Society, der auch als  Versuchsgelände ökologischer Gartengestaltung, fungiert. Ein Gartencenter und eine Bücherei sind ebenfalls angeschlossen. Der Park ist weitläufig mit beeindruckendem Baumbestand und zeitgenössischen Staudenpflanzungen, wie zum Beispiel die 150m langen Beete mit nordamerikanischen Pflanzen 2001 gestaltet von Piet Oudolf.

    Standen House and Garden der letzte Garten, den wir auf dem Weg zum Flughafen besichtigen. William Morris (bekannter Designer Ende des 19. Jahrhunderts) wurde vom Besitzer engagiert, grosse Teile des Hauses innen, zusammen mit dem Architekten Philippe Speakman Webb und der Ehefrau des Besitzers Margaret Beale, und den Aussenraum bzw. den Garten zu gestalten.

    Die fünfte Gartenreise — Die legendäre Flower Show (2005)

    Gegend: London City
    Gärten: Viele, von urban modern bis verträumt romantisch auf dem trockengelegten Areal im Flussbecken der Themse

    Royal Horticultural Society
    1804 gründeten einige einflussreiche Gentlemen die Gartenbauliche Gesellschaft zu London, deren Aufgabe es sein sollte den Gartenbau und das Wissen um die Praxis zu fördern. 1861 wurde Prinz Albert Patron der Gesellschaft, die deshalb in die Royal Horticultural Gesellschaft umbenannt wurde. Seither übernimmt der jeweilige Monarch das Patronat.
    1903 erwarb die Gesellschaft aufgrund der Kohlenstaub-Belastung in London ein Landgut am Fluss Wey. ‚Wisley Gardens‘ entwickelte sich zu einem der wichtigsten Zentren des Gartenbaus.
    Heute beschäftigt die RHS Hunderte von Mitarbeiterinnen, die für die gemeinnützigen Ziele arbeiten und auch in Schulgärten Unterricht anbieten, die zahllosen Gärten und Parks pflegen und zum Gelingen der zahlreichen jährlich stattfindenden Flower Shows beitragen. Die RHS hat heute an die 363’000 Mitglieder aus aller Welt.

    Die Chelsea Flower Show. Die jährliche Garten-Messe, seit 1912 in Chelsea abgehalten wird auch von internationalem Publikum besucht. Mit zahllosen Events im Event untermalt, bietet die Show eine einmalige Fülle an Variationen ‚der Gestaltung eines Fleckens Erde‘.
    Die Show findet jedes Jahr im Mai statt. Meistens kann ab November des Vorjahres gebucht werden. Zum Beispiel direkt auf der RHS Website. Ratsam ist ausserdem eine frühe Buchung eines Hotels in London.

    Chelsea Flower Show
    Moderner Kiesgarten an der Chelsea Flower Show

    Für den Beitrag wurden folgende Werke herangezogen:
    The History of Gardens von Howard Loxton, Bounty Books, Neuauflage 2005.
    Das Paradies auf Erden finden von Penelope Hobhouse, Schirmer Mosel Verlag, 2006.
    Sensationen von Nadine Olonetzky, erschienen im Birkhäuser Verlag, 2007.
    Romantische Gartenreisen in England von Anja Birne, erschienen im Callwey Verlag, 2016.

    Weitere wunderschöne Bilder von Malcolm Balmer sind zu sehen auf dorsetcamera.co.uk

  • Link-Paket zum Frühling

    Link-Paket zum Frühling

    Die Kleinbauernvereinigung — kleine bäuerliche Betriebe, Bergbauernhöfe, Engagement für Kleinbauern im oft familiären Umfeld. Themen: Vertragslandwirtschaft, politische Arbeit zur Erhaltung von Kleinbetrieben, tiergerechte Haltung, Bio-Landwirtschaft. Die Webseite betreibt einen ausgewählten Warenversand, zusammen mit der gebana AG, 4mal jährlich erscheint «Ökologo», die Publikation der Vereinigung. (im Ordner einen Flyer von Gebana)

    ravelry — ultimativer Fundus von und für Häkel- und Strickfreundinnen.

    Café Miyuko — Der Kolleginnen-Tipp, fantastisch feine Kuchen, schönes Ambiente, alles sehr exquisit und engagiert.

    Kamikatsu — Die Zero Waste City of Japan. Es geht wenn man/frau will oder (irgendwann) muss. Dazu die Statistik aus der Schweiz, der «Der Schweizer Güselmeister», zum Thema weniger Abfall produzieren und bewusster Abfall trennen.

  • Auf den Spuren der Zeit

    Auf den Spuren der Zeit

    Der Zedernwald auf der Insel Yakushima im Süden Japans, ist ein UNESCO-Weltkulturerbe und wird jedes Jahr von japanischen Touristen geradezu überschwemmt. Unter Westlern gilt das eher kleine Eiland immer noch als Geheimtipp. Die meisten Besucherinnen kommen wegen den uralten, imposanten Zedern. Der Wald, für viele Japanerinnen eine Inspirationsquelle, diente auch als Vorlage für den bekannten Animefilm ‚Princess Mononoke’.

    Die jüngsten Bäume haben mindestens 200 Jahre auf dem Buckel, viele um die tausend Jahre und der Älteste soll angeblich schon seit 7000 Jahren dort stehen. Den Zedern bekommt das halbtropische Klima auf Yakushima ausgezeichnet. Die konstante Feuchtigkeit treibt das Wachstum der Bäume an. Manche der ältesten Exemplare werden von den Japanern verehrt und tragen spezielle Namen.

    Der Älteste heisst Jomon-sugi (Sugi = Zeder), benannt nach der Jomon-Periode (der Jungsteinzeit von Japan). Sein Durchmesser beläuft sich auf mehr als 5 Meter. Er bildet sozusagen das Ziel einer Tageswanderung im Zedernwald. Hin und zurück muss ein Fussmarsch von mindestens zehn Stunden absolviert werden. Die Strapazen lohnen sich. Die Bäume, welche eine ganz besondere Stimmung erzeugen, lassen niemanden kalt.

    Mein Trip zum Jomon-sugi

    Nachts um drei stehe ich am Strassenrand und warte auf den Bus. Unterwegs bietet sich eine Möglichkeit ein Bento (Lunchbox) zu kaufen. Draussen ist es immer noch dunkel. Der Bus kurvt quer über die Insel und dann in Serpentinen hoch hinauf durch den Nationalpark bis zum Eingangstor des Zedernwaldes. Der Park ist nur am Tag offen und wird beim Eindunkeln wieder geschlossen.

    Alle Besucherinnen sind top ausgerüstet und marschieren kurz nach der Ankunft des Busses sofort los. Die Uhr zeigt 5.30 Uhr.

    Ich habe Glück mit dem Wetter. Am frühen Morgen ist es zwar noch ziemlich kalt, aber mit der Sonne kommt die Wärme und mit ihr ein bezauberndes Licht. Rehe äsen am Wegesrand, fast ohne Scheu. Viel Zeit zum Schauen, Fotografieren und Geniessen bleibt nicht, der Weg ist noch lang. Auf einer ausrangierten Schmalspurstrecke wandert man stetig leicht hinauf. Nach etwa drei Stunden hört sie plötzlich bei einer Ansammlung alter, niedriger Gebäude, auf. Bis in die 1970er Jahre wurde hier Holzabbau betrieben. Der Weg führt weiter an Moosteppichen vorbei über riesige Wurzelstöcke und Holztreppen. Die Stimmung im uralten Wald ruft Kindheitserinnerungen wach. Das Wasser ist so sauber und klar, ich kann nur meine Hand ausstrecken und aus einem der Rinnsale trinken. Weiter gehts zwischen Torbögen aus Wurzeln hindurch. Wurzeln so dick wie der Stamm einer grossen Eiche. Die Verdrehungen und Kurven vieler Stämme und Äste bilden postmoderne Skulpturen. Grüne Teppiche leuchten im gefilterten Licht, welches durch die Blätter dringt. Nach weiteren zwei Stunden Anstieg, zuletzt auf extrem steilen Holztreppen, erreiche ich den Ältesten. Ich weiss gar nicht wo anfangen mit hochschauen, die Dimensionen ertasten und Fotos machen. Überwältigend.

    Etwas weiter unten verzehre ich meinen Lunch. Dann sehe ich bereits die ersten Gruppen wieder den Rückweg antreten. Ich spute mich, denn auf dem Hinweg habe ich ein Kieselbett am Fluss gesehen, an dem ich noch ein wenig ausruhen möchte. Nach 16 Uhr treffe ich wieder am Tor ein. Viele der japanischen Wandergruppen stellen sich zum obligaten Gruppenfoto auf. — Und man merkt: Alle zufrieden, diese nicht ganz leichte aber wundervolle Wanderung, gemeistert zu haben.

     

  • Das Berner Teehaus

    Das Berner Teehaus

    Das Teehaus an der Länggasse. Ein Familienbetrieb und Mitarbeiterinnen, die sich einem sorgfältigem Tee-Handel und Vertrieb verschrieben haben. Der kleine, sehr gemütliche Teeraum, erreichbar über die hölzerne Wendeltreppe, wird zum Erlebnis, wenn mit viel Liebe zum Detail, die gewählte Tasse Tee serviert wird. Jede Frage erhält ihre Antwort. Man spürt, dass Interessierten globale Teekultur näher gebracht werden soll. Auf dem Online-Shop des Teehauses Länggass sind viele Tees und einiges mehr erhältlich.

  • Paläste in Indien

    Paläste in Indien

    Schon eine ganze Weile ist es her, seit ich durch Nordindien gereist bin. Beim Sichten der rund 400 Fotos, fühlte ich mich sofort wieder in jene Welt versetzt. Eine überwältigende Sinnesekstase an Gerüchen, Geräuschen, Farben, Stoffen und Materialien, die selbst als Erinnerung kaum schwächer geworden ist.

    Gegensätze, Extreme sind ganz nah beieinander und überall sichtbar. Besonders in den Städten. Das Leben findet, auf der Strasse, auf den Plätzen, statt. Alles und Alle , Menschen, Tiere und jegliche Gefährte «wuseln» durcheinander, drängen sich durch enge Gassen oder auf breiten Strassen aneinander vorbei. Man kann es kaum glauben, dass all die vielen Menschen ihr Ziel je erreichen werden.

    Meine Reise beginnt in Rajasthan. Musik und der indische «Sound» begleiten mich. Nirgends sonst ist die Luft mit solchen Vibrationen erfüllt. Vielleicht bin ich schon im Zustand des «einen halben Meter über dem Boden». Wirklich hier zu sein, fühlt sich an wie auf einem fliegenden Teppich.

    Farbenprächtiges Wüstenland
    Nach einer nicht enden wollenden Zugfahrt beginnt die Tour in Bikaner. Vierzehn Tage auf den Strassen Nordindiens ohne Regeln unterwegs, zwei- dreimal packt mich der nackte Horror bei den Ausweichmanövern, die der Fahrer Mr. Vipin ausführen muss. Er hat mein vollstes Vertrauen und fährt wirklich gut. Am Strassenrand tauchen Kuriositäten auf. Neue fertiggestellte, aber leere Tankstellen oder Kamele die mit seltsamen Mustern geschoren anmuten, als kämen sie direkt von einem Wüstenfest.

    Besuche von Palästen und Tempeln wie aus Tausend und einer Nacht. Der Jain Tempel in Ranakpur, berühmt als heilige Stätte der Jainas. Aus cremefarbenem Marmor ist die Anlage üppig ausgeschmückt wie keine zweite.
    Oder der Deshnoke Rattentempel, an der Grenze des erträglichen, da barfuss durchzutapsen. Die Reise führt durch Jodhpur, die blaue Stadt, Udaipur die weisse Stadt und schliesslich Jaipur, die rote Stadt.
    Dazwischen ruhige Forts, in kleinen Dörfern, durch die mich die Menschen führen, mitten in Senffeldern, angebaut weil mit Senföl täglich gekocht wird.
    Dann die Krönung. Auf dem Weg nach Dehli liegt mein eigentliches Ziel, der Taj Mahl in Agra – sieh selbst. Obwohl die Tore am frühen Morgen gerade erst geöffnet haben, wartet bereits eine lange Schlange von Besucherinnen. Nach eingehender Kontrolle durch eine Sicherheitsbeamtin, bin ich endlich drin. Mir fehlen die Worte. Ich geniesse die Besichtigung in vollen Zügen, spaziere hin und her, schaue mir Details an und möchte mir alles genau einprägen. Nach drei Stunden torkle ich sozusagen zurück zum Auto, ganz verzaubert.

    Varanasi – mitten drin und drum herum
    In Dehli treffe ich die Gruppe mit der ich die Stadt am Ganges kennenlernen will. Sich kaum beschnuppert, geht’s schon los. Schnurstracks werden wir zum Zug begleitet und in unsere Abteils verfrachtet. Nach einer holprigen Fahrt durch stockdunkle Nacht, treffen wir am nächsten Morgen in Varanasi ein. Wieder geht’s zügig in Autos vom Bahnhof durch die Stadt direkt zum Hotel Ganges View. Dort treffen wir Uma unsere Reiseleiterin für die nächsten zwölf Tage. Nochmals eine Steigerung an Eindrücken, alles ist hautnah, das Leben und das Sterben. Jeder von uns wird davon mal einen Tag pausieren müssen. Die Flut der eigenen Gefühle und Reaktionen, erschwert die Verdauung oder die Atmung. Die Gruppe jedoch trägt und das ist gut.
    Wir hören viel Musik und die Atmosphäre vor allem die Klangwelt am und auf dem Ganges, an den Ghats, in den Gassen und im Hotel, bezaubert uns alle.

    Neu und alt vermischen sich
    Das Jahresende in Neu Dehli in diesem riesigen Hotel mutet seltsam an. In den Restaurants ist was los, aber das Buffett öffnet erst um 22.30 Uhr, nach zwei Gläsern Rotwein bin ich schon ziemlich bedient. Nach dem Essen, leider nichts besonderes, startet das neue Jahr mit TV und einem Höllenlärm auf den Strassen.
    Am 1. Januar gehe ich auf Sightseeing Tour in die Freitagsmoschee, ins Rote Fort und den friedlichen und sehr gepflegten Lodi Gärten.
    Am letzten Tag kauf ich noch ein paar Geschenke ein im Connought Circus. Das wars. Auf Wiedersehen Indien, bis zum nächsten Mal.

     

  • Gärtnern in der Stadt

    Gärtnern in der Stadt

    SRF kümmert sich ums ‚Urban Gardening‘ und sendet während den Sommerferien eine 7-teilige Reihe von Menschen, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Die einen sind bereits langjährige Könner auf ihrem Gebiet und die anderen haben erst kürzlich zum Gärtnern gefunden und möchten aktiv dazu lernen. Jeder Teil porträtiert eine Facette dieses Tuns  und bringt jeweils zwei Personen zusammen, die in unterhaltsamer Weise drumherum kreisen. Jeden Donnerstagabend bis 20. August um 22.15 Uhr auf SRF 1.

  • Bunter Link-Frühlingsstrauss

    Bunter Link-Frühlingsstrauss

    Manchmal skype ich mit New York und höre wie etabliert Urban Gardening in N.Y.C. sei, wer wo was anpflanzt und damit Quartierbeizen und -Shops beliefern kann. Das erinnert mich an ortoloco, die Gemüsegenossenschaft nahe Zürich. Konditionen und Anmeldung, plus viele Infos bekommst du auf der Website. Vielleicht hast du Nachbarn, die schon länger dabei sind und dir mehr davon erzählen.

    Der Frühling zeigt sich zwar noch etwas zaghaft, trotzdem drängt es uns nach draussen. Bei der Markt-Lücke gibt’s ein paar nützliche Dinge für unterwegs zu kaufen. Mir hat’s besonders der Rainmaker-Sattelschutz angetan. Der verspricht: «Nie mehr ein nasses Füdli beim Velofahren».

    Lust auf Garten? Warum nicht einen Ausflug auf’s Schloss Wildegg machen. Ab 1. April kannst du das Schloss und den wunderschönen Barock-Garten auch mit einer Führung näher kennenlernen. Am Wochenende des 2. und 3. Mai findet der, inzwischen weitherum bekannte, Pro Specie Rara-Setzlingsmarkt statt.

    Dieser Link von einem Japan-Kenner verbindet mich mit der Welt des Tees: obubutea.com. Auf der Website findet sich ein kleiner Film über handgemachten Sencha. Ich erinnere, wie arbeitsreich aber auch lustvoll die Herstellung hochwertiger Lebensmittel ist.

     

  • Ausstellungstipp: Durch die Blume

    Ausstellungstipp: Durch die Blume

    Eine wunderbare Ausstellung gewidmet der Blume als gestalterisches Motiv und Liebling verschiedener Epochen.

    Das Museum Bellerive zeigt bis Ende März 2015 rund 300 Objekte der Glaskunst, Möbelgestaltung und Keramik, des Textil- und Grafikdesigns.
    Dazu gibt’s verschiedene Workshops und Fachvorträge, auch äusserst sinnliche wie z. B. die Blütenhonig-Degustation mit dem Foodjournalisten Patrick Zbinden oder die kulinarische Darbietung von Maurice Maggi, Autor des speziellsten Kochbuchs der letzten Zeit – «Essbare Stadt».

    Genaue Daten des Programms und andere nützliche Informationen sind zu finden auf
    www.museum-bellrive.ch

  • Reife Beeren

    Reife Beeren

    Auf meinem Weg ins Büro macht sich der Herbst bemerkbar. An einer besonders exponierten Stelle etwas über der Stadt, stehen ein paar Wildrosensträucher und einige Obstbäume. Daran hängen viele Früchte, parat zum Ernten. Die Besitzerverhältnisse sind mir unbekannt, deshalb lass ich es bleiben mit dem Abzupfen.
    Genau dieses Thema haben sich ein paar junge Leute zum Ziel gemacht: In Vergessenheit geratene Früchte wieder in die Wahrnehmung zu rücken. Die Website mundraub.org ist als Plattform aufgebaut. Nutzerinnen und Nutzer veröffentlichen auf der Mundraub-Map Standorte echter Bäume, Sträucher und Kräuter. Statements des Teams, Blog-Einträge, Links und Tipps zum Thema Obst ergänzen die Informationen.

  • Durchs Sonnentor

    Durchs Sonnentor

    Im Frühling fragte mich eine Freundin, ob ich auf eine kleine Reise nach Wien mitkommen möchte. Für mich war’s klar. Ja, mit einem Abstecher ins Waldviertel und einer sonntäglichen Betriebsführung bei Sonnentor, dem Bio-Betrieb für Tees und Kräuter in Österreich.

    Wir kurvten durch eine hügelige Landschaft, in der sich dichter Wald mit Feldern und kleinen Tälern, abwechselt. Irgendwo ging’s dann links von der Hauptstrasse weg und wir hielten Ausschau nach dem Wegweiser zum Sonnentor. Die Strasse führte durch kleine Ortschaften und wir fragten uns schon, ob wir denn auch den richtigen Weg eingeschlagen hatten. Ganz unvermittelt waren wir plötzlich da, vor dem Sonnentor in Sprögnitz.
    Etwas zu früh. Deshalb nutzten wir die Gelegenheit auch gleich im neueröffneten Restaurant etwas Kleines zu essen und uns danach im Laden umzuschauen. Jede von uns hatte eine Liste dabei.  Die Einkaufskörbe füllten sich schnell und wir freuten uns über die feinen Tees, Gewürze, Kräuter und Kekse, die wir erstanden hatten.

    Die Stimmung war gut und die Führung konnte beginnen. Mit viel Humor und Fachwissen wurden wir durch ‚die heiligen Hallen’ gelotst. Der intensive Geruch von all den Kostbarkeiten begleitete uns während der ganzen Führung. Die Regale gefüllt mit Paketen bis unters Dach, angeschrieben mit den Herkunftsorten aus der ganzen Welt. Wir erfuhren eine Menge Zahlen vom Betrieb. Auch ein paar Geheimnisse der Kräuterverwertung flüsterte man uns ins Ohr. Die Führung neigte sich ihrem Ende entgegen und in einem grossen, hellen Saal naschten wir extra für uns bereitgestellte Kekse und tranken Tee. Uns wurde klar, dass der Text auf den Produkten nicht nur als Werbeslogan dient, sondern hier tagtäglich gelebt wird.

    «Sonnentor steht für Frische, für beste Qualität, für sorgsame Verarbeitung. Und für natürliche, hochwertige und wertvolle Produkte»

    Produkte von Sonnentor sind schon seit vielen Jahren meine Favoriten, wenn’s um Tee- und Kräutermischungen geht. Interessiert verfolge ich Neuigkeiten und Veränderungen. Sonnentor trifft mit seinen Erzeugnissen in vielerlei Hinsicht den Nerv der Zeit. Die Namensgebung mancher Produkte lehnen sich stark an Bedürfnisse und Sehnsüchte unseres Lebens an. Wie zum Beispiel «Loslassen, Starker Wille, Schönen Feierabend, Wieder gut!» usw. Ich bin immer wieder überrascht vom Ideenreichtum gepaart mit viel Feingefühl, mit dem Sonnentor erspürt, was die Kundschaft beschäftigt.

    Johannes Gutmann (Gründer von Sonnentor) ist ein weiteres Beispiel, wie mit viel Sorgfalt und Durchhaltevermögen einen Betrieb aufgebaut werden kann. Er verzichtet auf grosse Maschinenparks, weil ihm die Menschen und deren Handarbeit wichtiger ist.
    Sonnentor ist eine Firma, die von allen Angestellten mitgetragen wird, den Bio-Bauern im Waldviertel sowie aller Zulieferländer und zu guter Letzt von Konsumentinnen und Konsumenten hier in Europa.

    Der Betrieb wächst ständig. Da drängt sich bei mir die Frage auf, wo das denn nun hinführt. Kann die Qualität und das Engagement für Landschaft und Menschen vor Ort und in den vielen verschiedenen Ländern, beibehalten werden? Die Zukunft wird zeigen, wie mit dieser Expansion umgegangen wird. Die grosse Verantwortung, so mein Eindruck, wird von den vielen Menschen, die daran beteiligt sind, mit viel Engagement übernommen.

    Die Sonnentor-Webseite bietet sehr viele Informationen nicht nur zu Sonnentors Kräuter- und Teehandel, sondern auch zu Veranstaltungen, die hier durchs Jahr organisiert werden. Zusätzlich kann man auch selber aktiv werden, in dem man Tipps zur Nachhaltigkeit beisteuert und im Gegenzug einige hilfreiche Hinweise, für ein achtsames Leben in Beruf und Freizeit, erhält.